Thomas Gorbach

* 12.08.1966 Bludenz/Vorarlberg lebt in Wien

Foto@Nurith Wagner-Strauss
Mediale Musik
Nach einem traditionellen Musikstudium der Oboe in Bern/CH, begann die Suche nach meiner persönlichen Klangsprache. Die ersten Versuche am Computer machten klar, dass der Ausdruck im elektronischen Medium mir die gewünschte kreative Vielfalt, die aktive Klanggestaltung und multimediale Ausdrucksweise ermöglichte. In den folgenden Jahren entdeckte ich das Arbeitskonzept der französischen Akusmatik. Dieser philosophische Ansatz des Komponierens schließt den gestalterischen Prozess von der Idee des Werkes bis zur Aufführung durch Lautsprecher mit ein. Mit der Zusammenstellung spezieller Lautsprecher in Kooperation mit anderen Komponisten dieses Genres, wurde in den letzten Jahren ein Instrumentarium zur Aufführung Akusmatischer Werke geschaffen, das für Österreich einzigartig ist.
Klänge sind wie Steine, die man sich zurechtmeißeln muss!
Ausgangspunkt meines Schaffens ist immer der Klang selbst. Klänge formen die Mikro- und Makrostruktur meiner Kompositionen, sie setzen den kreativen Fluss in Bewegung und den Raum der Aufführung in Schwingung. Durch komplexe Klangtransformationen am Computer entstehen ständig neue Klänge, die einer Analyse unterzogen werden, das Hören differenzieren und die weitere Vorgangsweise vorgeben. Der Akt des Komponierens wird so zum Perpetuum Mobile. Im Zuhörer entstehen innere Klangbilder, die das hörende Bewusstsein erweitern.
Das assoziative Netz
Die Möglichkeit, Musik zu speichern und jederzeit auf diese zugreifen zu können, bezeichne ich als die "Kopernikanische Wende der Musikgeschichte". Einerseits folgt daraus die enorme Vermarktung von Musik als Massenkulturgut, andererseits ist dadurch die differenzierte und bewusste Schulung unserer Hörgewohnheiten möglich. Neben der Arbeit am Klang selbst, fasziniert mich der stark assoziative Charakter dieses Mediums. Dieser ist während der Entstehung eines Werkes in mir aktiv und wirkt als kommunikatives Element im Kontakt zum Publikum wie z.B. in der Persiflage über den handelsüblichen Rock&Pop Song ‘Das Riesenrad des kleinen Erkennens’ oder in die Verzerrung des Radezky Marsches in ‘Dazwischen liegt das Glück’ als Hinweis auf dessen vielschichtige Bedeutung. ‘To be or RANDOM be’ bezieht sich auf Thomas Bernhards Theaterstück “Die Jagdgesellschaft”. In ‘Hommage aux ‘déserts’ d’Edgard Varèse’ setze ich die revolutionären Gedanken Edgard Varèses fort.
Das Lautsprecherorchester
Lautsprecher sind die Instrumente, die zwischen Werk, Publikum und Raum vermitteln. Sie sind die Akustische Leinwand im “Kino für die Ohren.” Dabei spielt das Bauprinzip der Lautsprecher aus den 70er-Jahren eine entscheidende Rolle. Die Lautsprecherinstallation von Stereo- bis Multikanalaufteilung versetzt den realen Raum in Schwingung und vermittelt ein einzigartiges Hörerlebnis.